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08. Mai 2020 Lausitzer Rundschau; Lokales 

Nicht nur hörbeeinträchtigte Menschen / Gehörlose haben es schwer hinter undurchsichtigen Masken etwas zu verstehen. Auch andere Menschen mit Handicap und Kinder benötigen für eine gute Kommunikation die Gesichtsgestik und Mimik. Von den Lippen abzusehen ist gerade bei hörbeeinträchtigten Menschen eine Notwendigkeit.

Foto privat I. Dehner
Foto privat I. Dehner

 

Wir haben die Lausitzer Rundschau gebeten folgenden Artikel zu veröffentlichen:

Maskenpflicht für hörbeeinträchtigte Menschen ist ein großes Problem

Der Mangel an Schutzausrüstung führt dazu, dass viele Private Menschen aber auch Organisationen, Radio- und TV-Sender, dazu aufrufen Mund-Nasen-Schutz (MNS) Behelfsmasken selber zu fertigen. Viele spenden diese an Krankenhäuser, Pflegeheime u. a. Einrichtungen.

Das Tragen solcher Masken wird nun am 27. April 2020 in allen Bundesländern, in öffentlichen Verkehrsmitteln und im Handel, zur Pflicht.

Was als Empfehlung der Bundesregierung gemeint war setzen die Länder in eine Pflicht um, da so das gegenseitige Ansteckungsrisioko mit dem Covid 19 Virus verringert werden soll.

 

So weit so Gut?   Während die meisten Menschen das Tragen solcher Schutzmasken zwar als gewöhnungsbedürftig, aber durchaus zumutbar halten (wie ein Reporter der LR in einem Selbsttest am 23.04.2020 mitteilte), ist es für hörbeeinträchtigte Menschen, egal welchen Alters, Gehörlose, andere Menschen mit Handicap, aber auch bei Kindern mit Problemen verbunden. Für diese Bevölkerungsgruppen, allein die Schwerhörigen machen ca. 16% der Gesamtbevölkerung in Deutschland aus, wird die Kommunikation zum Stressfaktor.

Warum?   Viele, auch die Politiker, bedenken nicht, das Schwerhörige und Gehörlose von den Lippen absehen. Sie brauchen das Mundbild und nicht nur das, sie brauchen auch die, und nicht nur für die Gebärdensprache, so wichtigen Gesichtsausdrücke. Mundbild, Mimik und Gestik machen Sprache für hörbeeinträchtigte Menschen erst verständlich. Sie hören zwar, Verstehen aber nicht. Auch Kinder nehmen Sprache durch Mimik und Gestik auf.

Mit den MNS Masken wird die Kommunikation z.B. an der Kasse, oder beim Arzt erschwert und das nicht nur für den Schwerhörigen selbst sondern auch für sein Gegenüber. Durch die Maske kommt die Sprache für den Schwerhörigen dumpf und verzerrt an. Da ein Teil des Gesichtes verdeckt ist, ist es fast unmöglich Gesagtes/Gesprochenes zu verstehen. An Krankenhäuser wurden Schutzvisiere verteilt. Eigentlich eine gute Sache, da das Gesicht dahinter zu sehen ist. Nur wenn Ärzte / Schwestern / Pfleger dahinter MNS Masken tragen ist das Problem wieder da.

Wir brauchen eine Alltagstaugliche Lösung. Eine Studentin aus Amerika hat eine Maske mit Sichtfenster genäht. (siehe Foto) In der Zwischenzeit gibt es auf verschiedenen Plattformen Nähanleitungen dafür.

Eine praktischere Lösung wäre ein durchsichtiger Mundschutz. Den gibt es tatsächlich, wie der Deutsche Schwerhörigen Bund (DSB) in seiner neusten Ausgabe von Spektrum Hören (Nr.3 Mai/Juni 2020) mitteilt. Unter www.theclearmask.com/product kann man sich davon überzeugen.

Nun ist es aber sehr schwierig, als Privatperson an reguläre, geschweige denn, an durchsichtige MNS Masken zu kommen. Diese sind verständlicher Weise den Kliniken und Pflegeeinrichtungen vorbehalten.

Dies ließ sicher auch manchen Politiker zögern eine Pflicht auszusprechen - weil dieser Mundschutz schlicht nicht ausreichend verfügbar ist. Deshalb vordern wir die Politiker auf: Nehmen Sie die Hersteller diesbezüglich in die Pflicht, damit verständliche Kommunikation für alle machbar ist. Das verstehen wir unter Inklusion in der Gesellschaft.

Wir möchten die Öffentlichkeit für unser Problem sensibilisieren und um Verständnis bitten wenn etwas nicht verstanden wurde. Manche Betroffene führen einen schriftlichen Hinweis mit, der lautet: "Bitte haltet andere und auch mich nicht für unhöflich, wenn wir nicht antworten oder reagieren! Wir Hörgeschädigte verstehen euch dann einfach nicht!" (Frankfurter Allgemeine, "Mit einer Maske verstehe ich einfach gar nichts", vom 23.04.2020)

Und vielleicht merkt der ein oder andere ja erst jetzt, das er selbst ein Hörproblem hat und auf Lippen und Gesichtsmimik angewiesen ist, weil er plötzlich hinter einer Maske nicht mehr versteht.

Im Namen der Mitglieder des Schwerhörigenverein Cottbus e.V.

 

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Artikel in der Lausitzer Rundschau